Zur Sache: Gesundheit an der Hochschule
Interview aus Hamburg
Das TK-Dossier 2026 "Wie geht's Deutschlands Studierenden?" zeigt: Viele Studierende kennen das Gefühl von Einsamkeit. Umso wichtiger ist es, dass die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) dieses Thema in den Mittelpunkt von Studium, Lehre und dem Hochschulgesundheitsmanagement (HGM) stellt.
Gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse (TK) führt die HAW Hamburg seit Februar 2025 ein Pilotprojekt zur Einsamkeitsprävention und Verbundenheit durch, das Einsamkeit sowie die damit zusammenhängenden Risikofaktoren erforscht und adäquate Lösungsansätze mit den verschiedenen Zielgruppen entwickelt. Projektleiterin Sonia Lippke, Professorin für Gesundheitsförderung und Prävention an der HAW Hamburg, erklärt im Interview, was hinter dem Pilotprojekt und CamPuls+ steckt, welche Erkenntnisse bereits gewonnen werden konnten und wie die HAW Gesundheits- und Bewegungskonzepte nachhaltig in Studium und Lehre verankert.
TK: Professorin Lippke, die HAW Hamburg setzt sich seit Längerem mithilfe des Studentischen Gesundheitsmanagements für Gesundheitsförderung auf dem Campus ein. Was verbirgt sich nun hinter CamPuls+?
Prof. Sonia Lippke: CamPuls+ ist das Dach sowohl für unser Projekt zum HGM als auch das Pilotprojekt zur Einsamkeitsprävention und Verbundenheit und weitere Aktivitäten zur Gesundheitsförderung. Mit den beiden Projekten wollen wir ganzheitlicher und wirksamer Studierende und Mitarbeitende unterstützen, indem wir das Betriebliche Gesundheitsmanagement und das Studentische Gesundheitsmanagement integrieren. Wenn beispielsweise Studierende sehen, wie Beschäftigte an ihrer Hochschule ihre eigene Gesundheit fördern, kann das auch auf sie positiv wirken: Als Vorbilder, über soziale Norm und indem alle weniger gestresst sind. Unter CamPuls+ haben wir dazu verschiedene Projekte so gebündelt, dass wir synergetische Effekte erzielen können. Beispiele sind unser Campus Gardening und unser Gesundheitsfestival HEALTHYLAND, das sich an alle Hochschulangehörigen mit Gesundheitschecks und anderen Angeboten richtet, wo sich alle treffen und vernetzen können.
Prof. Sonia Lippke
Einsamkeit ist ein Thema, das viele Studierende bewegt, eigentlich fast alle - auch wenn "nur" knapp jede oder jeder zweite darunter leidet.
TK: Das Pilotprojekt zur Einsamkeitsprävention und Verbundenheit läuft bis Januar 2028. Welche Erkenntnisse konnten Sie bereits gewinnen?
Prof. Lippke: Einsamkeit ist ein Thema, das viele Studierende bewegt, eigentlich fast alle - auch wenn "nur" knapp jede oder jeder zweite darunter leidet. Die Studierenden gehen das Thema von ganz unterschiedlichen Perspektiven an und identifizieren nicht nur Herausforderungen, sondern auch viele Ressourcen und Chancen. Dazu gehören beispielsweise digitale "Brücken" und Spiele wie Pokémon in einem gesunden Mittelmaß, herkömmlicher Sport wie Fußball und Zeit in der Natur und an Gewässern. Es besteht eine große Offenheit für interkulturelle Ansätze und dafür, Einsamkeit als Impuls für mehr Verbundenheit mit sich und anderen zu nutzen.
TK: CamPuls+ enthält nun auch das Projekt "The Green Pulse". Welche Schwerpunkte werden hier erarbeitet?
Prof. Lippke: The Green Pulse ist ein Verbundprojekt der HAW Hamburg und der Universität Hamburg im Rahmen der Initiative " Bewegt studieren! ", die vom Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband (adh) und der TK gefördert wird. Gemeinsam entwickeln wir eine gesunde und bewegte Lehre, indem Gesundheits- und Bewegungskompetenzen nachhaltig in Studium und Lehre verankert werden. Dafür entstehen Konzepte für innovative Lehrformate, bewegte Lehrmethoden wie Walk & Talks, naturnahe Lernräume wie der Green Classroom sowie ein interdisziplinäres Lehrmodul zur Gesundheits- und Bewegungskompetenz. Das Projekt verbindet Bewegung, mentale Gesundheit, Nachhaltigkeit und soziale Verbundenheit und setzt auf die aktive Mitgestaltung von Studierenden und Lehrenden. So entsteht Schritt für Schritt eine gesundheitsfördernde und nachhaltige Hochschulkultur. Zentral ist der partizipative Ansatz, das heißt, nicht die Expertinnen und Experten entwickeln und implementieren Maßnahmen für Nutzende, sondern Studierende und Beschäftigte selbst werden als Expertinnen und Experten gehört und befähigt.
Weitere Informationen
CamPuls+: Studierenden- und Mitarbeitendengesundheit an der HAW Hamburg