Hamburg, 6. März 2026. Eine aktuelle Studie der Techniker Krankenkasse (TK) unter Professorinnen und Professoren an deutschen Hochschulen zeigt eine hohe Belastung im akademischen Alltag. Die Erhebung der PROFESS-Studie (Promoting Resilience and Optimizing Faculty Environment
for Sustainable Success) wurde vom Center for Higher Education Research & Governance der Ludwig‑Maximilians‑Universität München (LMU) durchgeführt. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass knapp zwei Drittel der Professorinnen und Professoren in Deutschland häufig oder dauerhaft unter Stress leiden. Über 85 Prozent der Befragten geben an, ihre Gesundheit durch ihre Arbeit zumindest teilweise gefährdet zu sehen. Die Studie verdeutlicht zudem einen Bedarf an verstärkter Gesundheitsförderung im akademischen Umfeld. Während seitens der Professorenschaft ein hohes Interesse an gesundheitsfördernden Maßnahmen besteht, berichten rund 40 Prozent von ihnen, keinerlei konkrete Unterstützung oder Ressourcen durch die jeweilige Hochschule zu erfahren - nur jeder bzw. jede Fünfte gibt an, zu wissen, ob sich die eigene Hochschule für gesundheitsfördernde Strukturen und Maßnahmen engagiert.

Hohe Belastung im gesamten Hochschulsystem 

Gefragt nach der Belastung der eigenen Mitarbeitenden berichten 62 Prozent von einer moderaten bis deutlichen Beanspruchung. Rund 27 Prozent stufen die Belastung ihrer Mitarbeitenden sogar als stark bis extrem ein. Auch bei den Studierenden nimmt die Professorenschaft einen hohen Druck wahr: 71 Prozent schätzen die Belastung als moderat bis hoch ein, während 23 Prozent ihre Studierenden als extrem belastet sehen.

"Professorinnen und Professoren tragen als Führungspersönlichkeiten eine Verantwortung, die weit über Wissensvermittlung hinausreicht: Sie prägen die Arbeitskultur in ihren Institutionen und gestalten das Umfeld, in dem ihre Mitarbeitenden und die Studierenden lernen und sich beruflich und persönlich weiterentwickeln. Damit sind sie die zentralen Taktgeber für die Arbeits- und Lernatmosphäre im Hochschulbetrieb. Die Ergebnisse zeigen, dass die Professorenschaft selbst unter hohem Erwartungs- und Leistungsdruck steht und bei ihren Mitarbeitenden und den Studierenden eine große Belastung wahrnimmt", so Karen Walkenhorst, Mitglied des Vorstands der TK. "Es wird außerdem deutlich, dass es einen großen Bedarf an Unterstützungsangeboten gibt. Zwar engagieren sich immer mehr Hochschulen aktiv für die Gesundheit und arbeiten an einem professionellen Gesundheitsmanagement, doch das Thema ist noch zu selten strukturell verankert. Das muss sich ändern, denn körperliche und psychische Gesundheit ist eine zentrale Voraussetzung für gute Bildung." 

Prof. Dr. Yvette E. Hofmann, Studienleiterin vom Center for Higher Education Research and Governance der Ludwig-Maximilians-Universität München, ergänzt: "Die PROFESS-Studie macht deutlich: Professorinnen und Professoren sollen gesunde Arbeits- und Lernkulturen gestalten - stehen aber selbst in einem Spannungsfeld aus hohen Erwartungen, multiplen Rollen, steigenden administrativen Anforderungen und zunehmender Arbeitsverdichtung. Dabei prägen sie maßgeblich das wissenschaftliche Profil und die Leistungsfähigkeit unserer Hochschulen. Wenn wir von ihnen erwarten, Verantwortung für die Gesundheit von Mitarbeitenden und Studierenden zu übernehmen, müssen auch die strukturellen Rahmenbedingungen stimmen. Professorengesundheit ist deshalb keine private Frage der Resilienz, sondern eine Aufgabe von Hochschulpolitik und Hochschulsteuerung - und eine Voraussetzung für Leistungsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit des Wissenschaftssystems."

Die TK unterstützt Einrichtungen auf dem Weg zur Gesunden Hochschule

Bereits seit vielen Jahren engagiert sich die TK im Gesundheitsmanagement an Hochschulen und unterstützt sie dabei, Gesundheit als festen Bestandteil von Lehre, Forschung und Arbeitskultur zu verankern. 2025 wurden bundesweit über 100 Förderprojekte zur Einführung und Weiterentwicklung eines Betrieblichen, Studentischen oder Hochschulischen Gesundheitsmanagements umgesetzt.  Die TK-Gesundheitsexpertinnen und -experten beraten, vernetzen und begleiten Hochschulen bei diesem Veränderungsprozess. Neben dem bundesweiten Arbeitskreis Gesundheitsfördernder Hochschulen fördert und berät die TK auch regionale Netzwerke zur Gesunden Hochschule. Mehr Informationen zum Thema Gesunde Hochschule .

Wie gesund ist das System Wissen­schaft?

PDF, 6.7 MB Downloadzeit: eine Sekunde

Hinweis für die Redaktion

Für die PROFESS-Studie wurden im Zeitraum von März bis Mai 2025 über 13.000 Professorinnen und Professoren an 47 staatlichen Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Universitäten zur Teilnahme an einer Onlinebefragung eingeladen. Über 2.000 Professorinnen und Professoren haben an der Umfrage teilgenommen.