2,9 Milliarden Euro Sparpotenzial bei Biosimilars, Tendenz steigend
Pressemitteilung
- Deutsche Preise für biologische Fertigarzneimittel im europäischen Vergleich zu hoch - Preisangleichung notwendig
- Biosimilars als preisgünstige Nachfolger patentgeschützter Präparate bieten gleichbleibende Qualität - Austauschbarkeit muss umfassend sichergestellt sein
- Rabattverträge sparen Kosten und stärken Liefersicherheit
Hamburg, 11. Mai 2026. Mit dem geplanten Beitragssatzstabilisierungsgesetz will die Koalition die explodierenden Ausgaben für die Gesundheitsversorgung zügeln, die zu immer höheren Krankenkassenbeiträgen führen. Während im Gesetzentwurf Beitragszahlendende in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stark belastet werden, bleiben wesentliche Einsparpotenziale im Bereich Arzneimittel ungenutzt.
Die liegen insbesondere bei den biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln. Bei diesen Biologika ließen sich durch einen Austausch gegen Biosimilar und damit verbundene Rabattverträge hohe Kosten einsparen. Das zeigt eine Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK).
Der aktuelle Gesetzentwurf sieht zwar einen dynamischen Herstellerabschlag für Arzneimittel vor, schließt Biosimilars davon aber aus. Biosimilar-produzierende Pharmaunternehmen profitieren hierdurch erheblich. Dennoch fordert die Branche ein Verbot exklusiver Ausschreibungen für diese Produktgruppe - einem effektiven und international etablierten Instrument, um Kosten zu dämpfen und die Verfügbarkeit zu sichern. Das sei angesichts der aktuellen GKV-Finanzsituation unverhältnismäßig, kritisiert Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK: "Das Spargesetz bringt rund 1,9 Milliarden Euro im Arzneimittelbereich insgesamt - ein Biosimilar-Stopp würde mehr als das Doppelte an Mehrausgaben verursachen. Ein Ausschreibungsverbot hieße unter dem Strich, dass die Pharmabranche sogar mit einem Plus aus dem Spargesetz herausgeht."
Sieben Milliarden Euro Einsparverlust seit 2022
Während in anderen europäischen Ländern patentgeschützte biologische Arzneimittel deutlich günstiger auf den Markt kommen und nach Patentablauf häufiger sogenannte Biosimilars als Nachahmerpräparate abgegeben werden, hinkt Deutschland hier hinterher. Hierzulande wurde die Austauschbarkeit schon 2019 gesetzlich ermöglicht, aber erst 2026 umgesetzt.
"Der verspätete Einstieg in den Biosimilar‑Austausch und fehlende Möglichkeiten, Rabattverträge zu schließen, haben die GKV seit 2022 etwa sieben Milliarden Euro Einsparungen gekostet. Allein für 2025 wären Einsparungen von schätzungsweise 2,9 Milliarden Euro im biosimilarfähigen Markt möglich gewesen", sagt TK-Chef Baas.
Geringere Kosten, zuverlässigere Versorgung
"Biosimilars bieten ein erhebliches Potenzial, die Gesundheitskosten zu senken und gleichzeitig die Versorgungssicherheit zu stärken", erklärt Baas. Auf der einen Seite wirken gezielte Ausschreibungen, exklusive Rabattverträge und eine konsequente Preistransparenz ausgabendämpfend. Damit sichern sie notwendige Einsparungen für die Solidargemeinschaft. Auf der anderen Seite sorgen Rabattverträge durch Liefer- und Lagervorgaben dafür, dass die Arzneimittel im Bedarfsfall besser verfügbar sind.
Aktuell stehen noch viele umsatzstarke Biologika unter Patentschutz, darunter der Spitzenreiter der GKV-Ausgaben, das Krebsmittel Pembrolizumab. In den nächsten Jahren werden dieser und viele weitere Wirkstoffe biosimilarfähig, sodass das Einsparpotenzial immens ansteigt.
Hinweis für die Redaktion
Mit einer kassenartenübergreifenden Biosimilar-Ausschreibung verfolgen TK und GWQ ServicePlus AG (GWQ) als jeweilige Federführer für insgesamt 40 Krankenkassen das Ziel, die Kosten für die Solidargemeinschaft für biologische Fertigarzneimittel spürbar zu senken und zugleich die Versorgung planbarer und belastbarer aufzustellen. Hier geht es zur Pressemitteilung .
Weitere Informationen zum Thema Biosimilars und Vorschläge für kostensparende Maßnahmen hat die TK in einem Factsheet Biosimilars zusammengefasst.