Bayern: Eine halbe Milliarde Euro Einsparpotenzial durch Arzneimittelpreise auf internationalem Niveau
Pressemitteilung aus Bayern
München, 23. Januar 2026. Die Arzneimittelpreise in Deutschland - auch in Bayern - kennen seit Jahrzehnten nur eine Richtung: nach oben. Betrug der Nettoumsatz bei den Arzneimitteln in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Bayern im Jahr 2015 knapp fünf Milliarden Euro, so waren es zehn Jahre später über 8,5 Milliarden Euro. Dies stellt einen Anstieg um etwa 70 Prozent dar.
Außerdem liegt der Preis für Medikamente in Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Industrienationen erheblich höher. Eine aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt: Wenn sich die Preise für die 30 umsatzstärksten Medikamente am internationalen Niveau orientieren würden, könnte im Freistaat allein über eine halbe Milliarde Euro an Arzneimittelausgaben eingespart werden. Bundesweit beläuft sich die Summe sogar auf rund 4,73 Milliarden Euro.
Hohe Arzneimittelpreise und wenig relative Bruttowertschöpfung in Deutschland
Im Vergleich zu anderen Industrienationen wie Norwegen, Südkorea oder Japan werden in Deutschland für dieselben Medikamente deutlich höhere Beträge gezahlt. In anderen Ländern sind einige Arzneimittel bis zu 76 Prozent günstiger. Sogar die Schweiz, die im Allgemeinen als teuer gilt, wird noch übertroffen. Im Jahr 2025 lagen die Pro-Kopf-Ausgaben für Medikamente dort bei 669 Euro. In Deutschland waren es gleichen Zeitraum mit 721 Euro fast acht Prozent mehr.
Obwohl die Preise hoch sind und es politische Initiativen für den Pharmastandort wie den bayerischen Pharmagipfel gibt, sind die positiven Auswirkungen auf den Produktionsstandort Deutschland gering. In Deutschland macht die Pharmaindustrie lediglich 0,8 Prozent der gesamten nationalen Bruttowertschöpfung (BWS) aus. Zur Gegenüberstellung: In der Schweiz liegt der Anteil bei etwa 4,8 Prozent und in Dänemark entsprechen die Pro-Kopf-Arzneiausgaben von 266 Euro einem BWS-Anteil von 4,9 Prozent.
Beitragszahlende Mitglieder und Arbeitgeber jährlich um elf Milliarden Euro entlasten
Die Finanzlage der GKV in Deutschland ist angespannt. "Wir können es uns nicht weiter leisten im internationalen Vergleich Höchstpreise bei den Arzneimitteln zu zahlen", sagt Dr. Gabriele Gonschor, Leiterin des Vertrags- und Versorgungsbereichs der TK in Bayern. Die TK fordert vom Gesetzgeber daher drei schnell wirksame Maßnahmen, die die Arzneimittelausgaben der GKV in Deutschland jährlich um bis zu elf Milliarden Euro senken könnten. Das würde die Beitragszahlenden und deren Arbeitgeber entlasten.
"Die Umsatzsteuer auf Arzneimittel sollte von derzeit 19 Prozent auf den ermäßigten Satz von sieben Prozent gesenkt werden. Damit wäre bundesweit eine Ersparnis von sieben Milliarden Euro im Jahr möglich", so Gonschor. "Daneben sollte der Herstellerabschlag für Patentarzneimittel von sieben auf 17 Prozent erhöht werden. Dies könnte weitere drei Milliarden Euro im Jahr einsparen." Als dritte Sofortmaßnahme schlägt die TK vor, Fokuslisten bei patentgeschützten Arzneimitteln einzuführen. Hierbei soll der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) Gruppen pharmakologisch-therapeutisch vergleichbarer Arzneimittel definieren, aus denen die Krankenkassen bevorzugte Präparate für ihre Versicherten festlegen können. Damit könnte jährlich eine weitere Milliarde Euro eingespart werden.
Hinweis für die Redaktion
Für die vorliegende Betrachtung hat die TK die Arzneimittel-Abgabemengen für das Jahr 2024 aus TK-Daten ausgewertet und auf GKV-Niveau hochgerechnet. Die internationalen Herstellerabgabepreise wurden mit der Preisdatenbank NAVLIN ermittelt (Preisstand: 1. Juli 2024) und nach deutscher Arzneimittelpreisverordnung auf den Apothekenverkaufspreis (AVP) umgerechnet, um eine Vergleichbarkeit herzustellen. Die Einsparpotenziale ergeben sich als Differenz zwischen den Ausgaben mit deutschem AVP und international günstigstem AVP. Die Einsparpotenziale pro Bundesland wurden proportional zu den Abgabemengen im jeweiligen Bundesland bestimmt.
Weitere Informationen zum Thema Arzneimittelausgaben und Vorschläge für kostensparende Maßnahmen hat die TK in einem Factsheet Arzneimittelausgaben (PDF, 272 kB) zusammengefasst.
Die Arzneimittelausgaben für jedes Bundesland und für jedes Quartal gibt es in der GKV-Arzneimittel-Schnellinformation.