München, 19. Februar 2026. Eine bundesweit repräsentative Forsa-Befragung im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) mit Teilergebnissen aus Bayern zeigt die Terminprobleme der bayerischen Patientinnen und Patienten: Insgesamt 48 Prozent der Patientinnen und Patienten müssen länger als vier Wochen auf eine fachärztliche Behandlung warten - 31 Prozent der Befragten sogar mehrere Monate. Ganz anders im hausärztlichen Bereich: 91 Prozent der Befragten gaben an, innerhalb von zwei Wochen einen Hausarzttermin erhalten zu haben, 75 Prozent der Interviewten sagen, sogar nach wenigen Tagen.

Ärzteversorgung in Bayern: Platz zwei bei den Flächenbundesländern

"Die Terminprobleme bei den Facharztpraxen im Freistaat sollten nicht daran liegen, dass es zu wenig Ärztinnen und Ärzte im Freistaat gibt", sagt Dr. Gabriele Gonschor, Leiterin des regionalen Versorgungsbereichs der TK in Bayern. Rechnerisch waren am 31. Dezember 2024 rund 23.000 Ärztinnen und Ärzte Vollzeit tätig im niedergelassen ambulanten Bereich. Davon entfielen über 14.500 auf Facharztpraxen und knapp 8.500 auf Hausarztpraxen. Das ergibt die sogenannte "Bedarfsplanungsgewichte-Statistik" der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die Vollzeitadäquate ausweist. Mit rechnerisch 228,3 Vollzeitärztinnen und -ärzten auf 100.000 Einwohner liegt Bayern bei den Flächenbundesländern nur knapp hinter Spitzenreiter Hessen (228,6) auf Platz zwei.

Vier von zehn Bayern nicht zufrieden mit der fachärztlichen Versorgung

"Lange Wartezeiten auf einen Arzttermin lösen bei vielen Menschen verständlicherweise ein Störgefühl aus", so Gonschor. Zur langen Wartezeit käme laut Gonschor noch hinzu, dass die Menschen oft nicht an der richtigen Stelle im Versorgungssystem landen würden. "Das ambulante System ist nicht ausreichend darauf ausgerichtet, was die Menschen medizinisch brauchen." Im Ergebnis sagten 39 Prozent der Befragten in Bayern, dass sie mit der fachärztlichen Versorgung im Freistaat unzufrieden oder wenig zufrieden sind.

Primärversorgungssystem: Chance auf richtige Anlaufstelle und kürzere Wartezeiten

Um dies zu verbessern, plant die Regierung ein Primärversorgungssystem einzuführen. Wird es richtig umgesetzt, ist es aus Sicht der TK eine Chance, die Terminvergabe besser zu steuern und Ineffizienzen im Versorgungssystem abzubauen. Dafür ist eine verbindliche Ersteinschätzung notwendig. Hilfesuchende sollen damit auf Basis ihres Krankheitsbildes direkt in die für sie passende Versorgung geleitet werden. Das kann je nach Bedarf ein zeitnaher Haus- oder Facharzttermin, eine Videosprechstunde oder auch vorerst Bettruhe sein. Wichtig sind einheitliche Kriterien für die Ersteinschätzung, unabhängig davon, ob diese durch eine Krankenkassen-App, telefonisch oder in der Praxis vor Ort erfolgt.

"Klar definierte Abläufe sorgen für kürzere Wartezeiten und für eine faire Terminvergabe. Das sind stärkende Elemente für das Solidarsystem in unserem Gesundheitswesen", so die bayerische TK-Versorgungschefin Gonschor.

Hinweis für die Redaktion

Für die bevölkerungsrepräsentative, telefonische Umfrage "Mix-Befragung III 2025" im Auftrag der Techniker Krankenkasse befragte das Meinungsforschungsinstitut forsa vom 25. September bis 21. Oktober 2025 bundesweit insgesamt 1.410 Personen ab 18 Jahre (mind. 200 Personen pro Ländergebiet) mit anschließender Proportionalisierung der Gesamtergebnisse. Die hier ausgewiesenen Teilergebnisse der bundesweiten Studie beziehen sich auf Bayern.

Das Bundesarztregister, Grundlage der Vertragsarztstatistiken, gibt es online.

TK-Posi­tion: Faire Regeln bei Erstein­schät­zung und Termin­ver­gabe

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