München, 22. April 2026. Die Notaufnahmen der Kliniken in Bayern sind zunehmend belastet. Im Freistaat wurden im Jahr 2024 nahezu 1,9 Millionen Menschen als ambulante Notfälle in den Krankenhäusern behandelt. Das sind über 300.000 Betroffene mehr als vor der Corona-Pandemie im Jahr 2019. Das entspricht einem Zuwachs von 20,1 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Im gleichen Zeitraum nahm die Fallzahl bundesweit von 10,9 Millionen auf über 13 Millionen zu. Das sind rund 2,1 Millionen Patientinnen und Patienten mehr - ein Zuwachs von 19 Prozent. Die Techniker Krankenkasse (TK) verweist auf aktuelle Zahlen, die vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht wurden.

Dabei müssten viele Patientinnen und Patienten nicht in die Notaufnahme. Wie eine Untersuchung des GKV-Spitzenverbandes ergab, könnte mehr als jeder Zweite ambulant in einer Praxis behandelt werden. "Mehr Aufklärung und eine bessere Koordination würden sowohl Notaufnahmen als auch Patientinnen und Patienten entlasten. Deshalb ist es gut, dass die Notfallreform nun kommt", sagt Dr. Gabriele Gonschor, Leiterin des Versorgungsbereichs der TK in Bayern.

Neuer Anlauf für Notfallreform

Bereits die Vorgängerregierung hatte einen Gesetzesentwurf zur Reform der Notfallversorgung in den parlamentarischen Prozess eingebracht. Nach dem Bruch der Koalition konnte dies leider nicht mehr realisiert werden.

Am 22. April hat das Kabinett die Reform beschlossen. "Dieser enthält die seit Langem erwarteten Verbesserungen für Notfallpatientinnen und -patienten sowie für Mitarbeitende in der Notfallversorgung", so Dr. Gonschor. Es sind zum Beispiel für Hilfesuchende im Notfall eindeutige Anlaufstellen wie die neuen Akutleitstellen oder die neuen Integrierten Notfallzentren (INZ) vorgesehen. Diese Anlaufstellen sowie die vorgesehene Ersteinschätzung des medizinischen Bedarfs werden Dreh- und Angelpunkt sein und dafür sorgen, dass Betroffene die bestmögliche Versorgung im Notfall erhalten. Die vorgesehenen verbesserten Standards im Rettungsdienst stellen einen weiteren positiven Aspekt der Reform dar.

Zusammenarbeit der Rettungsleitstellen und des ärztlichen Bereitschaftsdienstes in Bayern als Modell

Bayern hat die digitale Verknüpfung zwischen den Rettungsleitstellen (112) und dem ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) bereits vor rund zwei Jahren als erstes Flächenbundesland vollständig und flächendeckend umgesetzt. Dieses Modell der digitalen Vernetzung der Integrierten Leitstellen (ILS) mit den Vermittlungszentralen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns ermöglicht einen reibungslosen Austausch von Patientendaten, ohne dass Informationen verloren gehen oder unnötige Wiederholungen auftreten. Das stellt eine gute praxiserprobte Vorlage für einen bundesweiten Rahmen dar, der sowohl die digitale Vernetzung als auch die Qualitätsstandards einheitlich regelt. Dr. Gonschor: "Je besser der Austausch zwischen den Rettungsleitstellen und dem ärztlichen Bereitschaftsdienst funktioniert, umso mehr werden die Notaufnahmen in den Kliniken entlastet."

Gemeinsam anpacken und Reform zügig umsetzen

Eine erfolgreiche Reform des Notfallsystems könnte als gutes Beispiel dienen, wie Strukturreformen die Qualität, Erreichbarkeit und Effizienz im Gesundheitswesen verbessern können. "Es ist nun entscheidend, die vielversprechenden Ansätze im politischen Gesetzgebungsprozess konsequent umzusetzen", erklärt die TK-Versorgungsleiterin in Bayern, Dr. Gabriele Gonschor, weiter: "Wenn alle Beteiligten gemeinsam anpacken, kann das Schwung für weitere notwendige strukturelle Änderungen im Gesundheitswesen geben."

Hinweis für die Redaktion

Die Datengrundlage bildet die Krankenhausstatistik des Statistischen Bundesamtes, Suchbegriff "Krankenhausstatistik Notfälle", mit Stand vom 20.04.2026. Die Daten umfassen sowohl gesetzlich versicherte als auch nicht gesetzlich versicherte Notfallpatientinnen und -patienten. Die Untersuchung des GKV-Spitzenverbandes "Ohne Not in die Notaufnahme" gibt es online. Das Buch "Unser Gesundheitssystem: Stabilitätsanker für die Demokratie", herausgegeben vom TK-Vorstandsvorsitzenden Dr. Jens Baas, widmet ein Kapitel der "Reform der Notfallversorgung: Vorankommen auf der Großbaustelle". Eine Zusammenfassung dazu finden Sie auf dem Blog "WirTechniker" unter dem Titel Großbaustelle Notfallversorgung .