Frankfurt am Main, 12. März 2026. Digitale Medien wie Smartphones, Tablets oder Sprachassistenten gehören heute selbstverständlich zum Familienalltag. Schon Kindergartenkinder erleben täglich, wie Erwachsene diese Angebote nutzen, oder nutzen sie gar schon selbst. Damit sie frühzeitig einen gesunden und bewussten Umgang mit digitalen Medien erlernen, engagiert sich die Techniker Krankenkasse (TK) gemeinsam mit der Universität Greifswald und dem Verein Blickwechsel e. V. im Präventionsprojekt "WebbyVersum". Ziel ist es, Kinder im Kindergartenalter spielerisch an einen maßvollen und altersgerechten Umgang mit digitalen Medien heranzuführen und gesundheitlichen Folgen eines unbegleiteten, zu hohen Medienkonsums vorzubeugen. In den teilnehmenden Kitas lernen die pädagogischen Fachkräfte erprobte Methoden und kindgerechte Angebote zur frühen Medienbildung kennen.  Auch die Eltern erhalten Unterstützung, wie sie ihre Kinder beim Nutzen der Medien begleiten können. Nach einer erfolgreichen Pilotphase in sieben Bundesländern - in Hessen waren zwölf Kitas beteiligt - wird "WebbyVersum" nun bundesweit ausgerollt.

Heike Hofmann, hessische Ministerin für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales, sagte heute anlässlich der Projektvorstellung in der Evangelischen Kita Riedberg: "Digitale Medien gehören oft bereits sehr früh zum Alltag von Kindern. Studien zeigen, wie präsent Smartphones, Tablets und Apps in ihrem Leben sind. Das bedeutet: Medienbildung beginnt nicht erst in der Schule, sondern in der Familie und in der Kindertagesbetreuung. Für uns als Landesregierung ist deshalb klar: Kinder brauchen frühzeitig Orientierung und Begleitung im Umgang mit digitalen Medien. Wir müssen Kinder stark machen, damit sie Medien sinnvoll, kreativ und verantwortungsvoll nutzen können und gesund aufwachsen - genau hier setzt das ‚WebbyVersum‘ an und das begrüße und unterstütze ich sehr."

Schon die Jüngsten werden gestärkt

"Wir möchten, dass Kinder nicht nur geschützt werden, sondern altersgerecht begleitet lernen, digitale Medien zu verstehen, zielgerichtet zu nutzen und erste verantwortliche Entscheidungen zu treffen", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen. Bildschirmzeit kann die Gesundheit von Kleinkindern erheblich beeinträchtigen. Studien zeigen, dass betroffene Kinder häufiger übergewichtig sind, weil sie sich im Alltag weniger bewegen. Auch Kurzsichtigkeit tritt vermehrt auf, wenn Kinder ihre Augen etwa beim Blick auf Smartphone oder Tablet überwiegend im Nahbereich beanspruchen. Bei Kindern unter zwei Jahren verschlechtert ein hoher Medienkonsum das Einschlafverhalten. Auch die Sprachentwicklung kann sich verlangsamen, wenn digitale Medien zu früh und zu intensiv genutzt werden. "All das verdeutlicht, wie wichtig gesundheitliche Prävention in diesem Bereich ist. Deshalb setzen wir bewusst früh an und begleiten Kinder auf ihrem Weg in die digitale Welt, damit sie einen gesunden und selbstbestimmten Umgang mit digitalen Medien entwickeln", so Dr. Voß

Psychosoziale Ressourcen im Blick

Kitakinder können im Rahmen der digitalen Medienbildung beispielsweise mit Tablet oder Digitalkamera Fotos von ihrem Kita-Alltag aufnehmen und gemeinsam mit einer pädagogischen Fachkraft auswählen, welche Bilder sie aufbewahren oder zeigen möchten. Dabei lernen sie grundlegende Bedienhandlungen, treffen begründete Entscheidungen und erleben, dass ihre Sichtweise wichtig ist. Hilfreich ist es außerdem, gemeinsam analoge und digitale Angebote zu vergleichen, etwa ein Bilderbuch mit einer kindgerechten App: Womit beschäftigen sich die Kinder in welcher Situation lieber? So können die Kinder unterschiedliche Medien als Werkzeuge mit jeweils eigenen Stärken und Grenzen wahrnehmen. Zudem können Vorschulkinder gemeinsam mit Erziehenden erste Erfahrungen im Umgang mit digitalen Informationsangeboten sammeln und zu ihren Fragen recherchieren - zum Beispiel zu Vulkanen oder Tieren.

"Das Verständnis für einen gesunden, ausbalancierten Umgang mit digitalen Medien lässt sich schon sehr früh vermitteln. Wichtig ist, als Gegenpol zum passiven Medienkonsum einen kreativen Umgang mit digitalen Medien anzuregen", sagt Professorin Ines Sura-Rosenstock, Juniorprofessorin am Lehrstuhl für Medienpädagogik und Medienbildung der Universität Greifswald. Die Materialien für das "WebbyVersum"-Projekt haben sie und ihr Team entwickelt. In der App "Fiete Bastelversum" werden analoge und digitale Erfahrungsräume auf spielerische und kreative Weise verknüpft: Kinder malen Tiere oder Gegenstände auf Papier, fotografieren ihre Werke und integrieren sie in eine digitale Welt, etwa einen Bauernhof. Dort werden die Zeichnungen interaktiv erlebbar gemacht und bieten zahlreiche Gesprächsanlässe. Das Kinderbuch "Lotta und Klicks" thematisiert hingegen den Medienumgang in der Familie. Die lebensweltnahe Geschichte und viele Mitmachelemente regen die Kinder zur Reflexion ihres Medienhandelns im Alltag an.

Evaluation bestätigt Erfolge des Pilotprojekts

Die Evaluation des Pilotprojekts zeigt, dass das "WebbyVersum" in der Praxis sehr gut angenommen wurde. In einer Befragung von Kita-Leitungen, pädagogischen Fachkräften und Eltern berichteten die Beteiligten, dass sich das Projekt problemlos in den Alltag integrieren lässt und der organisatorische Aufwand als unkompliziert wahrgenommen wird. Besonders positiv bewertet und als praxisnah beschrieben wurden die eingesetzten Materialien: App und Kinderbuch, Reflexionskarten für Kinder, Fachkräfte und Eltern, Podcasts für Eltern sowie begleitende Unterlagen. Insgesamt würden 97 Prozent der befragten Kitas das "WebbyVersum" weiterempfehlen.

Mitarbeitende aller teilnehmenden Kitas werden im ersten Schritt vom bundesweit tätigen Verein Blickwechsel e. V. im Umgang mit den Materialien geschult und bei der Durchführung eines Elternabends unterstützt. "Medienkompetenz kann nur gelingen, wenn Erziehungsberechtigte einbezogen werden und aktiv mitwirken können. Daher ist die Beteiligung der Eltern ein zentraler Baustein des ‚WebbyVersums‘. Die Familie ist der erste Ort, an dem Kinder mit Medien in Kontakt kommen. Eltern haben daher eine starke Vorbildfunktion: Nutzen sie altersgerechte digitale Medien maßvoll und reflektiert, erleben Kinder dieses Verhalten im Alltag und übernehmen es Schritt für Schritt. Genau dafür sensibilisieren wir Mütter und Väter im Rahmen des Projekts", sagt Dr. Claudia Raabe vom Blickwechsel-Verein für Medien- und Kulturpädagogik. Zudem steht Eltern ein Podcast mit zehn Folgen zur Verfügung.

Bereicherung im Kita-Alltag

Annette Buchmann, Leiterin der Evangelischen Kita Riedberg in Frankfurt, hat das Projekt gemeinsam mit ihrem Team im Kita-Alltag umgesetzt: "Für uns ist das ‚WebbyVersum‘ eine echte Bereicherung. Die Materialien fügen sich problemlos in unsere Abläufe ein und die Kinder sind mit großer Neugier dabei. Besonders wichtig ist uns, dass digitale und analoge Angebote Hand in Hand gehen: Wir basteln, malen und bewegen uns genauso wie bisher und setzen digitale Tools ganz gezielt als zusätzlichen Lern- und Erlebnisraum ein. So kommen wir früh mit den Kindern ins Gespräch darüber, was digitale Medien können und was sie eben nicht ersetzen."

Auch Diakon Carsten Baumann, Geschäftsführer des Fachbereichs Evangelische Tageseinrichtungen für Kinder im Evangelischen Regionalverband Frankfurt und Offenbach, betont die Notwendigkeit, Medienkompetenz so früh wie möglich auszubilden: "In den Evangelischen Tageseinrichtungen für Kinder fördert Medienpädagogik die frühe Medienkompetenz, indem sie Kindern Orientierung, Reflexion und kreative Zugänge in einer verlässlich begleiteten Bildungsumgebung eröffnet. ‚WebbyVersum‘ unterstützt Kitas dabei, Medienpädagogik kindgerecht, strukturiert und ohne großen Zusatzaufwand in den Alltag zu integrieren."

Hintergrund

Kitas aus dem gesamten Bundesgebiet, die sich für das Projekt interessieren, können sich für eine mögliche Teilnahme und Beratung zum "WebbyVersum" unter der Mailadresse schulung@medienzentrum-greifswald.de an Katy Gillner, Referentin für Medienpädagogik am Medienzentrum Greifswald e.V. wenden. Weitere Informationen zum Präventionsprojekt gibt es hier .