Hannover, 10. Juni 2026. Anlässlich der bevorstehenden Gesundheitsministerkonferenz (GMK) in Hannover appelliert die Techniker Krankenkasse (TK) in Niedersachsen an die Gesundheitsministerinnen und -minister der Länder, die Reform der Primärversorgung entschlossen voranzutreiben. Angesichts des demografischen Wandels, des Fachkräftemangels und steigender Versorgungsbedarfe müsse das Gesundheitssystem aus Sicht der TK stärker auf eine koordinierte Versorgung ausgerichtet werden.

"Die Gesundheitsministerkonferenz bietet die Chance, eine zukunftsfeste ambulante Versorgung zu fördern. Patientinnen und Patienten brauchen einen einfachen Zugang zu medizinischer Versorgung. Gleichzeitig müssen die vorhandenen Ressourcen gezielter eingesetzt werden", sagt Annette Hempen, Leiterin der TK-Landesvertretung Niedersachsen.

Primärversorgung als zentrale Anlaufstelle stärken

Aus Sicht der TK braucht es ein modernes Primärversorgungssystem, in dem eine digital gestützte Ersteinschätzung verbindlich den Einstieg in die Versorgung bildet und Patientinnen und Patienten bedarfsgerecht in die passenden Angebote steuert - nach der Prämisse: digital vor ambulant vor stationär.

Ein solches System muss folgende Elemente enthalten:

  • digital gestützte Ersteinschätzung als standardisierter Einstieg in die Versorgung
  • eine zentrale Terminplattform, die Arzttermine nach medizinischer Dringlichkeit vergibt
  • fallbezogene Koordination
  • flexible Versorgungswege, bei denen Hilfesuchende je nach Krankheitsbild eine Hausarztpraxis, Facharztpraxis, Videosprechstunde besuchen oder andere Versorgungsformen erster Ansprechpartner sein können

HzV-Evaluation: Fehlende Steuerungswirkung und Mehrkosten

Im Rahmen der Primärversorgungsdebatte wird teilweise die hausarztzentrierte Versorgung (HzV) als Vorbild für ein Primärversorgungssystem diskutiert. Die Hausarztverträge verpflichten die teilnehmenden Patientinnen und Patienten dazu, immer zuerst eine bestimmte Hausärztin oder einen bestimmten Hausarzt aufzusuchen. Die Ergebnisse einer neuen wissenschaftlichen Evaluation der HzV der TK widerlegen die zentrale Annahme, dass der verpflichtende Erstkontakt in der Hausarztpraxis automatisch zu besser koordinierter, effizienterer und wirtschaftlicherer Versorgung führt.

Die untersuchten HzV-Verträge der TK führten weder zu weniger Kontakten zu Fachärztinnen und Fachärzten noch zu weniger Krankenhausaufenthalten. Gleichzeitig entstehen der TK Mehrkosten von rund 160 Millionen Euro pro Jahr - ohne nachweisbare Steuerungswirkung.

HzV keine geeignete Grundlage

"Die Hausärztinnen und Hausärzte sind das Rückgrat der medizinischen Versorgung. Gleichzeitig brauchen wir ein durchdachtes Primärversorgungssystem, das Hilfesuchende gezielt durch die Versorgung geleitet. Die Evaluation zeigt, dass die HzV in der jetzigen Form dafür nicht die Lösung ist", ordnet Hempen die Ergebnisse ein.

"Auch die gesetzliche Vorgabe, dass jede Kasse neben der Regelversorgung zusätzlich eine hausarztzentrierte Versorgung anbieten muss, ist anhand der festgestellten Effekte nicht zu rechtfertigen. Ein modernes System mit einer digital gestützten Ersteinschätzung und einer fallbezogenen Steuerung, in der Regel durch den Hausärztin oder den Hausarzt, schafft mehr Flexibilität und kann durch die HzV freiwillig ergänzt werden. "