Schnell sein reicht nicht: 35.000 Schlaganfälle in Niedersachsen
Pressemitteilung aus Niedersachsen
Hannover, 7. Mai 2026. "Zeit ist Hirn" ist das allgemeine Motto bei jedem Schlaganfall - bisher. "Das Beispiel der Stroke-Units zeigt, dass die Versorgung in spezialisierten Krankenhäusern wichtiger ist als deren räumliche Nähe", präzisiert Annette Hempen, Leiterin der TK-Landesvertretung Niedersachsen, zum Tag gegen den Schlaganfall am 10. Mai und fordert einen stärkeren Fokus auf die Versorgungsqualität.
In Niedersachsen wurden im Jahr 2023 über 35.000 Menschen mit einem Schlaganfall behandelt. Ein Schlaganfall tritt auf, wenn Teile des Gehirns plötzlich nicht mehr mit ausreichend Blut und Sauerstoff versorgt werden. Die Ursache ist meist ein verstopftes oder geplatztes Gefäß im Gehirn. Beim initialen Behandeln eines Schlaganfalls zählt jede Minute, um Leben zu retten und Folgeschäden zu minimieren. Deswegen gelten Schlaganfälle immer als ein Notfall.
Trotzdem ist die Fahrzeit ins Krankenhaus nicht das einzig entscheidende Kriterium für eine gute Versorgung. Nach Angaben der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) kann die Zeit, die auf einer längeren Anfahrt verloren geht, durch die Behandlung auf einer erfahrenen "Stroke-Unit" wieder herausgeholt werden. Laut der Regierungskommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung wurde im Jahr 2021 dennoch jeder vierte Schlaganfall in einem Krankenhaus ohne "Stroke-Unit" versorgt.
Krankenhausreform ohne weitere Verwässerung
Verschiedene Studien zeigen, dass die Behandlung in einer "Stroke-Unit" zu einer höheren Überlebenschance beiträgt. Wird ein Patient in einem Krankenhaus mit "Stroke-Unit" behandelt, sinkt die Sterblichkeit um 5,6 Prozent. Zehn Jahre nach einem Schlaganfall leben mehr als doppelt so viele Betroffene wieder zu Hause, wenn sie zuvor in einer "Stroke Unit" behandelt wurden.
Darüber hinaus konnte zehn Jahre nach einem Schlaganfall sogar eine um zwölf Prozent verringerte Sterblichkeitsrate festgestellt werden. "Das Beispiel der Stroke-Units zeigt, dass die Versorgung in spezialisierten Krankenhäusern für Patientinnen und Patienten wichtiger ist als deren räumliche Nähe. Damit alle Patientinnen und Patienten eine hochwertige Versorgung bekommen, müssen Strukturen und Prozesse reformiert werden. Die Krankenhausreform und digitale Ersteinschätzung sind Instrumente, um diese Versorgung allen zugänglich zu machen", sagt Annette Hempen, Leiterin der TK-Landesvertretung Niedersachsen.
Damit alle Patientinnen und Patienten eine hochwertige Versorgung bekommen, müssen Strukturen und Prozesse reformiert werden.
Nun ist das Land am Zug, eine auf Qualität ausgelegte Krankenhauslandschaft im Sinne der Krankenhausreform voranzutreiben. Trotz der Ausnahmen, die durch das Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) ermöglicht werden, kann es nur im Sinne aller Patientinnen und Patienten sein, eine auf Qualität fokussierte Versorgung zu erhalten.
Die "Stroke-Unit" als Vorbild für Spezialisierung
"Stroke-Units" sind spezialisierte Schlaganfallstationen. Neurologie, Kardiologie, Radiologie sowie Neuro- und Gefäßchirurgie arbeiten hier eng zusammen. Pflegekräfte sind im neurologischen Bereich geschult.
In Niedersachsen existieren laut DSG 28 zertifizierte, mehr als 20 nicht-zertifizierte "Stroke-Units" und 16 Krankenhäuser mit einem speziellen Versorgungsangebot im neurologischen Bereich.
Hinweise für die Redaktion
Für die Recherche wurden folgende Quellen hinzugezogen:
Sinkende Sterblichkeit: BMC Health Services Research 2018
Das Leben nach einem Schlaganfall: Indreavik et al. 1999.