Digitale Primärversorgung in Mecklenburg-Vorpommern: Wege aus der ländlichen Unterversorgung
Artikel aus Mecklenburg-Vorpommern
"Gesundheit in MV - primär digital versorgt?" - Unter diesem Leitmotiv diskutierten Experten aus Politik, Wissenschaft und Gesundheitswesen zur Jahresfachtagung über die Zukunft der medizinischen Versorgung. Im Fokus stand die Frage, wie ein koordinierter, ortsunabhängiger Zugang zur Medizin insbesondere in ländlichen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns sichergestellt werden kann.
Die Herausforderung: Geografie als Barriere in der Versorgung
Mecklenburg-Vorpommern ist durch großflächige ländliche Regionen geprägt. Die räumliche Distanz zwischen Hausarztpraxen und Klinikstandorten führt dazu, dass Versicherte in ländlichen Gebieten oft eine schlechtere Anbindung an das Gesundheitssystem haben als Menschen in Städten.
Wie kann der Zugang zur medizinischen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern künftig einfacher und koordinierter gestaltet werden, vor allem in ländlichen Regionen? Um diese Frage drehte sich das Diskussionsforum "Versorgungszugang - insbesondere im ländlichen Raum".
Lösungsansatz 1: Der digitale Einstieg in die Versorgung
Mecklenburg-Vorpommern ist geprägt von großflächigen ländlichen Regionen, in denen Ärztinnen und Ärzte sowie Klinikstandorte voneinander getrennt sind. Diese räumliche Besonderheit kann dazu führen, dass Versicherte in den ländlichen Regionen eine schlechtere Anbindung zur medizinischen Versorgung haben als Menschen in den Städten. Unser Ziel ist es, einen einfachen, räumlich unabhängigen und koordinierten Versorgungszugang zu etablieren, sodass alle Menschen in unserem Bundesland zukünftig dieselben Chancen auf eine medizinische Versorgung erhalten.
Doch anstatt sich auf die Probleme zu konzentrieren, wurden auf der Fachtagung gemeinsam Lösungsansätze präsentiert. Ein zentrales Diskussionsthema dazu war die Frage, wie ein digitaler Einstieg in die Versorgung verbunden mit einem ortsunabhängigen Zugang zu medizinischer Beratung gestaltet werden kann.
Manon Austenat-Wied betonte die Notwendigkeit der Digitalisierung im Gesundheitswesen: Ein moderner Versorgungszugang beginnt mit einem digitalen Einstieg. Eine niedrigschwellige medizinische Beratung oder eine KI-gestützte Ersteinschätzung hilft den Patientinnen und Patienten bereits im ersten Schritt dabei, ihr gesundheitliches Anliegen richtig einzuordnen. Dadurch entsteht eine gezielte Steuerung, die Hausarztpraxen spürbar entlastet, da Anfragen nicht mehr unspezifisch verteilt, sondern direkt an die richtige Versorgungsebene weitergeleitet werden.
Sylvia Grimm (SPD), Staatssekretärin des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Sport, unterstreicht die Wichtigkeit der Digitalisierung und die Chancen, die sie bietet. Es muss jedoch darauf geachtet werden, dass der Mensch, egal welchen Alters, nicht allein gelassen werden darf. Es braucht eine verlässliche Begleitung in der digitalen Gesundheitswelt. Sei es durch Krankenkassen oder Hilfe direkt vor Ort, das System funktioniert nur, wenn ältere Menschen oder digital weniger affine Patientinnen und Patienten einen solchen digitalen Zugang nutzen können.
Lösungsansatz 2: Bedarfsorientierter Strukturwandel und Sektorenkopplung
Eine digitale Steuerung ist jedoch nicht die alleinige Lösung, wenn die Versorgungsstrukturen vor Ort nicht funktionieren. In einem Punkt waren sich alle Beteiligten einig: Die Versorgung muss an den tatsächlichen medizinischen Bedarf angepasst werden, statt an historisch gewachsenen Strukturen festzuhalten. Aus diesem Grund wurde bei der Diskussion über eine notwendige Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung gesprochen.
Hier setzt die TK an: Wir plädieren für eine engere Verzahnung beider Sektoren. Krankenhäuser können in der Fläche als Versorgungsanker dienen, während telemedizinische Verbindungen Spezialwissen dorthin bringen, wo die Patientin bzw. der Patient gerade ist. Ein oft unterschätztes Thema sind dabei die "Transportangebote". Wenn die Versorgung zentralisiert wird, müssen wir sicherstellen, dass die Menschen physisch und digital zu den richtigen Leistungserbringern gelangen.
In der Diskussionsrunde plädiert Sylvia Grimm auf die Notwendigkeit, eine flächendeckende stationäre Regel- und Grundversorgung in allen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns müsse gewährleistet bleiben, während gleichzeitig die Spezialisierung der Krankenhäuser forciert werden solle, um eine qualitativ hochwertige Versorgung in speziellen Fachbereichen zu sichern.
In diese Richtung forderte auch Manon Austenat-Wied, dass die konkrete Stärkung der Versorgungsstrukturen am tatsächlichen medizinischen Bedarf ausgerichtet und ambulante wie stationäre Angebote gemeinsam betrachtet werden sollten. Gleichzeitig bleiben kleinere Krankenhäuser für die wohnortnahe Grundversorgung unverzichtbar. Ziel sollte es sein, sie zukünftig stärker als regionale Gesundheitsstandorte und als Bindeglied zwischen ambulanter und stationärer Versorgung fungieren zu lassen.
Innovation im Fokus: Digitale hausärztliche Versorgungsassistenten (DIHVA)
In der Diskussionsrunde sprach Manon Austenat-Wied über das Angebot der DIHVA. Um nämlich genau diese Versorgungslücken zu schließen, wurde das Konzept der Digitalen hausärztlichen Versorgungsassistenzen (DIHVA) entwickelt, das beispielsweise bereits im Raum Ueckermünde implementiert wurde.
Was ist eine DIHVA?
Bei einer DIHVA handelt es sich um speziell geschultes Personal, welches an einem wohnortnahen Standort einfache medizinische Basisuntersuchungen durchführt.
- Leistungsspektrum: Blutdruckmessung, EKG-Aufzeichnung, Blutentnahme und Dokumentation von Hautveränderungen.
- Technologie: Einsatz moderner Diagnosegeräte und KI-gestützter Software.
- Prozess: Die Daten werden digital an die Hausarztpraxis übermittelt. Die Diagnose und Besprechung erfolgen anschließend per Telefon oder Videogespräch durch die Ärztin oder den Arzt.
- Wichtig: Die DIHVA stellt keine Diagnosen, sondern liefert die notwendige Datenbasis für die ärztliche Entscheidung.
Fazit: Digitale Infrastruktur als Basis für ein gesundes Leben
Die Jahresfachtagung hat gezeigt: Der Wille zur Veränderung ist da. Ob Ministerium, Ärztekammer oder Krankenhausgesellschaft, wir alle wollen, dass die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern bestmöglich versorgt werden. Der Zugang zur medizinischen Versorgung vor allem im ländlichen Raum kann mit einer Verknüpfung von neuen ambulanten und stationären Angeboten funktionieren. Dafür ist es essentiell, dass eine hierfür notwendige digitale Infrastruktur weitentwickelt wird. Eine moderne Versorgung mit einer einheitlichen medizinischen Ersteinschätzung sollte kein Luxus sein, sondern die Basis für ein gesundes Leben in unserem Bundesland.