Die TK-Jahresfachtagung 2026 lieferte einen Impuls für einen besseren Versorgungszugang in Mecklenburg-Vorpommern. Im Mittelpunkt der Tagung standen die Kernelemente der ambulanten Versorgung, darunter die Einführung eines digitalen Ersteinschätzungsinstruments mit Terminbuchungsmöglichkeiten, die Weiterentwicklung der Krankenhauslandschaft sowie die Verbesserung der Qualität für Patientinnen und Patienten. 

Standardisierte Ersteinschätzung für einen schnelleren Versorgungszugang

Manon Austenat-Wied, Leiterin der TK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern, stellte auf der Tagung die TK-Vision von einem modernen Versorgungseinstieg vor. Grundlage des Konzepts soll eine digitale, standardisierte Ersteinschätzung des medizinischen Behandlungsbedarfs sein. Wichtig ist, dass diese überall gleich durchlaufen wird - egal ob über eine App, telefonisch in der Arztpraxis, beim Bereitschaftsdienst der 116 117 oder am Tresen im Krankenhaus. Je nach Fall kann es verschiedene Empfehlungen geben:

  • Ein Arzt-Patientenkontakt ist nicht notwendig und die Beschwerden, etwa von einer Erkältung, können niedrigschwellig zu Hause selbst oder mit telemedizinischer Unterstützung gemanagt werden.
  • Müssen die Symptome ärztlich geprüft werden, wird über eine digitale Terminserviceplattform ein Termin bei einem Hausarzt bzw. einer Hausärztin vermittelt - ggf. auch eine Videosprechstunde. Den Hausärztinnen und -ärzten kommt eine stärkere Koordinierungsfunktion zu: Sie steuern die weitere Behandlung auch in Richtung der fachärztlichen Versorgung.
  • In bestimmten Fällen soll auch ein direkter Weg zu Facharztpraxen möglich sein, zum Beispiel bei gynäkologischen Untersuchungen. Auch hier wird über die Plattform ein zeitnaher Termin in einer entsprechenden Praxis vermittelt.
  • Bei einem Notfall wird der Patient oder die Patientin direkt in ein Integriertes Notfallzentrum geleitet beziehungsweise angewiesen, einen Notruf zu tätigen

Diskussionsrunde bescheinigt Konzept Potential

Das vorgestellte Modell wurde in der Diskussionsrunde positiv aufgenommen. Wobei Dr. Jens Placke, Präsident der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern, bekräftigte wie wichtig die Einbeziehung der Selbstverwaltung in den Umsetzungsprozess ist. So kann dafür gesorgt werden, dass die Ärztinnen und Ärzte die Ersteinschätzung als Entlastung erleben. Außerdem könne die Ärztekammer in der Ausbildung angehender Medizinerinnen und Mediziner einiges unternehmen, damit digitale Tools raschere Verbreitung im Versorgungsalltag finden. Auch Uwe Borchmann, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern, konnte der standardisierten Ersteinschätzung einiges abgewinnen. Aus seiner Sicht, kann durch eine digitale Ersteinschätzung vor der Behandlung auch die Arbeit der Krankenhäuser erleichtert werden. Denn insbesondere am Wochenende suchen viele Patientinnen und Patienten den direkten Weg in die Notaufnahme, da reguläre Zugänge in die Versorgung nicht verfügbar sind. Wenn vor allem die Personen in die Notaufnahmen kommen, die tatsächlich eine Notfallbehandlung brauchen, kann das die Versorgungsleistung der stationären Einrichtungen unterstützen. 

Auch Sylvia Grimm, Staatssekretärin im Ministerium für Soziales, Gesundheit und Sport Mecklenburg-Vorpommern, sieht in der digitalen Ersteinschätzung eine Chance für unser Bundesland. Bislang entscheiden Zufall oder Glück, wie zeitnah oder qualitativ hochwertig Patient:innen behandelt werden. Mit der digitalen Ersteinschätzung erhalten die Menschen ein Werkzeug, welches sie beim eigenen Versorgungsmanagement unterstützt. Die fachkundige Hilfe bei der Beurteilung der eigenen Symptome ist dabei nur der Einstieg in eine neue Versorgungswelt, die strukturierter, verlässlicher und leichter zugänglich ist.