Health 4.0 - Wo steht Thüringen bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens?
Artikel aus Thüringen
Von der KI-gestützten Telefonannahme in der Praxis, über digitalisierte Abrechnungswege bis zu telemedizinischen Netzwerken, für die Digitalisierung Brücke und Basis bildet. Digitalisierung im Thüringer Gesundheitswesen ist ein weites Feld. Bei den Weimarer Gesprächen zum Gesundheitswesen 2026 haben wir einen Teil davon beackert, mit Bundesperspektive, weil Digitalisierung nicht an Bundeslandgrenzen halt macht.
Wie gestalten wir das Gesundheitssystem und wie kann Digitalisierung dabei helfen? Mit dieser Ausgangsfrage machte Prof. Dr. Michael Hartmann, Direktor des Instituts für Krankenhauspharmazie am Universitätsklinikum Jena (UKJ), klar, was Digitalisierung für ihn ist: Eine Brücke für die Vernetzung, die wir im Gesundheitswesen dringend brauchen. Digitalisierung ist Helfer, kein Selbstzweck.
Die zentralen Diskussionspunkte der Weimarer Gespräche zum Gesundheitswesen 2026 waren: Wo hilft uns die Digitalisierung schon jetzt in der Gesundheitsversorgung? Wo hakt es? Wie schaffen wir es, Hindernisse zu überwinden? Und wie tragen wir den Nutzen und die Notwendigkeit der Digitalisierung im Gesundheitswesen in die Breite?
Erlebbare Vorteile der Digitalisierung des Gesundheitssystems in Thüringen
"Digitalisierung ist eine Erfolgsgeschichte für die medizinische Versorgung in Thüringen. Wir brauchen den Mut, das auch mal auszusprechen", ist sich Gesundheitsministerin Katharina Schenk sicher. Patientinnen und Patienten würden das erleben, wenn sie von Initiativen und Netzwerken wie Patientenportalen, MEDiRett, Telenotärzten , SATELIT oder PERIKOV-T profitieren.
Philipp Müller, Abteilungsleiter für Digitales im BMG, sprach sich u. a. dafür aus, dass all die vorhandenen Gesundheitsdaten viel besser für Prävention genutzt werden sollten - immer mit Blick auf Datenschutz. Dass Patientinnen und Patienten darin einen Nutzen sähen, zeige sich daran, dass Hilfesuchende bereits jetzt millionenfach Gesundheitsfragen an KI-Tools stellen. Es müssen Möglichkeiten entwickelt werden, diese Vorzüge datenschutzsicher zu nutzen.
Die Pflegedienstleiterin Julia Schmolke und der Facharzt für Allgemeinmedizin Dr. med. Christian Fleischhauer gaben anschauliche Beispiele, wie Digitalisierung ihren Praxisalltag vereinfacht. Der Aufwand bei Dokumentation, Abrechnung und Co. wird verringert, Abläufe können besser gesteuert werden. Die Zeitersparnis komme den Patientinnen und Patienten zugute.
Hinzu kommen schnelle, zuverlässige Informationen über Medikamente, Vorerkrankungen und Mitbehandler oder Versorger. Dafür stellte Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen, die elektronische Patientenakte (ePA) als Herzstück der Digitalisierung heraus.
Schnittstellen und dysfunktionale Prozesse als Herausforderung
Die Herausforderungen der Digitalisierung bzw. die Herausforderungen bei der Versorgung, die jetzt offensichtlich werden, wurden ebenso diskutiert. Digitalisierung lege das Brennglas auf Prozesse, die noch nie funktioniert haben, meint Sven Auerswald, Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen. Außerdem bremst die zögerliche Nutzung mancher im System den eigentlichen Mehrwert der Digitalisierung.
Nicht funktionierende Schnittstellen und das Nebeneinander von Insellösungen gehören zu den größten Herausforderungen. Wenn Vernetzung und Schnittstellen das Problem sind, könne direkter Austausch wie bei der Fachveranstaltung weiterhelfen, sagte Tina Rudolph, Thüringer Staatssekretärin für Gesundheit und Pflege. Sie stellte auch heraus, dass die Digitalisierung es ermöglicht, besser zu erfassen, welche Behandlungsangebote Patientinnen und Patienten wirklich nutzen und was ihnen hilft.
So bleibt die Digitalisierung Mittel zum Zweck. Der Zweck ist, dass Gesundheitsversorgung so gut wie möglich gelingt. Der Zweck ist auch, dass mehr Zeit für echten Austausch bleibt, so wie am 31. August 2026 in Weimar.