Neben Hitze werden auch weitere Auswirkungen auf die Gesundheit und die Gesellschaft durch Umweltveränderungen und -krisen verstärkt: Dazu zählen beispielweise die Zunahme von Infektionskrankheiten, Allergien sowie mentaler Belastung. Was die Techniker Krankenkasse (TK) konkret beim Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz umsetzt und wie beides noch stärker im Versorgungsalltag ankommen kann, erklärt Dr. Sarah Windolph-Lübben, Nachhaltigkeitsmanagerin der TK. 

TK: In den vergangenen Wochen hatten wir in Deutschland mit Hitzewellen, Dürreperioden und starken Unwettern zu kämpfen. Wie belasten diese Extremwetterereignisse unser Gesundheitssystem? 

Dr. Sarah Windolph-Lübben:  Die jüngsten Ereignisse und aktuellen Zahlen, etwa zu Todesfällen in Zusammenhang mit Hitze oder Produktivitätsverlusten in der Wirtschaft, machen leider erneut deutlich: Klima und Gesundheit hängen zusammen - und die Gesellschaft und unser Gesundheitssystem müssen noch deutlich besser für diese Herausforderungen gewappnet werden. Bei hohen Temperaturen besteht mehr Bedarf an Gesundheitsversorgung. Auch die Versorgung selbst wird beeinträchtigt, wie Berichte über überhitzte Krankenhäuser oder Pflegeheime zeigen. Es zeigt sich daher unmissverständlich: Nur in einer gesunden Umwelt können Menschen gesund leben. 

Dr. Sarah Elena Windolph-Lübben

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Nachhaltigkeitsmanagerin bei der Techniker Krankenkasse

Nachhaltigkeit, Klimaschutz und -anpassung tragen dazu bei, Auswirkungen und Folgekosten für das Gesundheitssystem zu mindern und seine Resilienz und Zukunftsfähigkeit zu stärken. Das braucht es aktuell mehr denn je! Dr. Sarah Windolph-Lübben, TK-Nachhaltigkeitsmanagerin

TK: Das Nachhaltigkeitsmanagement der TK hat sich vier strategische Ziele gesetzt: Die TK möchte vor dem Jahr 2030 CO2-Emissionen so weit wie möglich reduzieren, sie setzt auf Nachhaltigkeit in der Lieferkette, möchte Nachhaltigkeit in Gesundheitswesen und Gesellschaft fördern und ein gesundes, faires und diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld schaffen. Was setzt die TK derzeit schon um, um diese Ziele zu erreichen?

Dr. Windolph-Lübben: Wir arbeiten vor allem daran, Nachhaltigkeit in Prozesse zu integrieren - wir wollen uns nicht auf einzelnen "Vorzeigeprojekten" ausruhen. Daher legen wir jährliche Ziele mit den Geschäftsbereichen fest, um zum Beispiel Energie und Papier zu sparen, die TK-Mitarbeitenden noch stärker für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren oder das Thema in Verträge und Projekte in der Versorgung zu integrieren. Dafür sprechen wir auch mit anderen Kassen und Gesundheitsakteuren - denn auch als größte Krankenkasse können wir vieles nur gemeinsam erreichen. Durch die Teilnahme an Initiativen wie der Klimakampagne der Handelskammer Hamburg wollen wir die Relevanz des Themas auch nach außen unterstreichen. 

Um aktiv eine nachhaltige Versorgung zu stärken, ist die TK zum Beispiel jüngst eine Kooperation mit den KlimaDocs eingegangen. Der Verein wirkt darauf hin, dass Gesundheitsfachkräfte Patientinnen und Patienten stärker für den Zusammenhang von Klima und Gesundheit sensibilisieren. Daneben hat die TK unter anderem ein Nachhaltigkeitssiegel für Arztpraxen mitentwickelt, gibt eine Impuls-Reihe für mehr Nachhaltigkeit in Krankenhäusern heraus und bietet den Versicherten Infos rund um Themen wie Hitze . In Richtung Politik fordern wir außerdem, dass  auch die ökologische Dimension von Nachhaltigkeit bei der Leistungserbringung konsequent berücksichtigt wird. Das alles und mehr zeigt auch unser Nachhaltigkeitsbericht , den wir diesen Herbst in dritter Auflage veröffentlichen werden. Wir freuen uns, dass unser Engagement Anerkennung findet und die TK mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026 ausgezeichnet wurde. 

TK: Warum ist Nachhaltigkeit in der Versorgung wichtig?

Dr. Windolph-Lübben: Die ökologischen Auswirkungen des Gesundheitswesens werden häufig unterschätzt, dabei stößt es mit rund 6 Prozent der Emissionen Deutschlands mehr CO2 aus als der Flugverkehr. Natürlich brauchen wir qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung, das steht nicht zur Diskussion - aber die ökologische Dimension von Nachhaltigkeit sollte bei der Erbringung von Gesundheitsleistungen stärker berücksichtigt werden. Das zu tun liegt in unserem Interesse als Gesellschaft: Nachhaltigkeit, Klimaschutz und -anpassung tragen dazu bei, Auswirkungen und Folgekosten für das Gesundheitssystem zu mindern und seine Resilienz und Zukunftsfähigkeit zu stärken. Das braucht es aktuell mehr denn je! 

TK: Welche Rolle spielt das Thema Prävention, wenn es um Klimaschutz und Nachhaltigkeit geht? 

Dr. Windolph-Lübben: Gezielte Prävention kann nicht nur die Gesundheit der Menschen fördern, sondern langfristig auch die Versorgungsstrukturen entlasten und Ressourcen sparen. Um den Bedarf nach Gesundheitsleistungen zu reduzieren, müssen Gesundheitskompetenz, Gesundheitsförderung und Prävention einen größeren Stellenwert erhalten. Zum Beispiel wird Prävention durch personalisierte Empfehlungen auf Basis individueller Gesundheitsdaten attraktiver. Um ressourcenschonend zielgenau zu versorgen, sind zudem Über- und Fehlversorgung zu vermeiden. Auch hier zeigt sich die Relevanz der Nutzung von Gesundheitsdaten und von digitalen TK-Angeboten wie Videosprechstunden. So schließt sich der Kreis: Nachhaltigkeit lässt sich in vielen Bereichen des Gesundheitswesens integrieren und eine individuelle Gesundheitsförderung zählt wiederum auf Ressourcenschonung und Nachhaltigkeitsziele ein.