Kennen Sie den? Kommt ein Mann zum Arzt… Der Anfang eines typischen Arztwitzes. Witze sind laut Duden kurze Geschichten, die mit einer unerwarteten Wendung, einem überraschenden Effekt, einer Pointe am Ende zum Lachen reizen. Mit der Ankündigung (Exordium) "Kennen Sie den?" verschafft sich der Erzähler Aufmerksamkeit und kündigt den Witz an. Die Darlegung (Exposition) der Situation "Kommt ein Mann zum Arzt" stellt die Situation und die Handelnden dar. 

Wichtig und hilfreich für das Verstehen eines Witzes, für den Lacherfolg, ist das Vermögen, sich die Szenerie vorstellen zu können. Was ist, wenn die Gegebenheiten sich ändern und die Szenerie nicht mehr bekannt oder gar vorstellbar wäre? Ist die witzige Pointe dann schon vorweggenommen, weil die Szene an sich schon absurd klingt? Oder versteht der Zuhörer vielleicht den Witz dann nicht mehr? 

Ist die beschriebene Exposition so urtümlich, so lange in der Zeit zurückliegend, dass sich kaum noch einer daran erinnern kann, dann wird dieser Witz voraussichtlich keine Lacher mehr erzielen und nicht mehr erzählt werden. Der Witz stirbt sozusagen aus.

So geschehen schon mit Radio-Eriwan- oder Häschen-Witzen: Sie hatten ihre Zeit und werden aktuell nicht mehr erzählt. Kann das auch mit Arztwitzen passieren, bei denen ein Patient den Arzt besucht? Weil auf Grund der ausschließlichen Fernbehandlung keiner mehr in die Arztpraxis geht? Kaum vorstellbar. Deswegen: Keine Sorge, liebe Freundinnen und Freunde des Arztwitzes, trotz der Möglichkeit zur telemedizinischen Konsultation ist der persönliche Arzt-Patientenkontakt weder verboten noch akut vom Aussterben bedroht. 

Auch in der nahen Zukunft wird das persönliche Gespräch zwischen Arzt und Patient wohl die beliebteste Art der Konsultation bleiben. Dem soll auch so sein. Trotzdem wäre die Möglichkeit, eine ausschließliche Fernbehandlung in Anspruch zu nehmen, für die Versorgung in einem Flächenland wie Brandenburg nach unserer Auffassung positiv. Weite Wege und Ansteckungsfahr im Wartezimmer könnten dadurch vermieden werden. Deswegen würden wir es begrüßen, wenn auch die Brandenburger Ärztekammer als letzte im Bundesgebiet einer Lockerung des Fernbehandlungsverbotes zustimmen würde.

Das Leben ist Veränderung. Und damit wird sich auch der Arztwitz anpassen und nicht aussterben. In Zukunft könnte es dann heißen:

Kennen Sie den? Chatten ein Arzt und sein Patient…