Bevor Kathrin Herbst zum Verband der Ersatzkassen (vdek) in Hamburg wechselte, war die gelernte Fernseh-Journalistin bis 2010 Pressesprecherin für verschiedene Hamburger Kliniken, im ehemaligen Landesbetrieb Krankenhäuser (LBK), in der Evangelischen Stiftung Alsterdorf (ESA) und im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). 

TK: Frau Herbst, Sie blicken auf 23 Jahre im Hamburger Gesundheitswesen zurück: Was waren für Sie persönlich in dieser langen Zeit die wichtigsten Projekte und Highlights, die Sie begleitet haben?

Kathrin Herbst: Mein persönliches Highlight ist die Einführung der Schulgesundheitsfachkräfte. Dank des großen finanziellen Engagements der Ersatzkassen konnten wir mit der Stadt über fünf Jahre ausprobieren, wie diese Fachkräfte in besonders belasteten Grundschulen gesundheitsförderlich wirken können. Und schließlich hat die Stadt die geschaffenen Stellen an ausgewählten Schulen dauerhaft übernommen. 

Anfang der 2000er war die Einführung der Fallpauschalen in Kliniken eine große Veränderung in die richtige Richtung, weg von langen Liegezeiten hin zu einer Finanzierung des Falls und Hamburg war mit seinem Landesbetrieb Krankenhäuser von Anfang an dabei. 

In Alsterdorf fand ich herausragend, wie das Team sich mit der Zukunftsfrage beschäftigte, auf welche Versorgungsangebote man sich konzentrieren wollte. Das wirkt bis heute. Zuletzt war das Evangelische Krankenhaus im Kontext der Krankenhausreform ein gutes Beispiel für eine Fachklinik, für die es einer Regelung bedarf. 

Und schließlich wird mir der Transformationsprozess im UKE immer im Gedächtnis bleiben. Auch hier wurde von der Versorgung her gedacht, darauf aufbauend eine neue Klinik gebaut sowie eine digitale Patientenakte eingeführt. Das war für alle Beteiligten anstrengend, spannend und wichtig. 

Transformation habe ich auch beim vdek erlebt: Der vdek hat im vergangenen Jahrzehnt unglaublich viele neue Aufgaben für die Ersatzkassen übernommen und damit Verwaltung gebündelt, wie z.B. die GKV-weite Zulassung der Physiotherapeuten oder auch die Überprüfung der Qualitätsvorgaben in Kliniken.

Und noch einmal zur Prävention: Wurde ich zu Beginn noch von manchem belächelt, so ist der Bereich im vdek mittlerweile genauso vertreten wie die großen Versorgungsthemen. Mittlerweile ist in der Landesvertretung die Geschäftsstelle des GKV-Bündnisses für Gesundheit angesiedelt, es werden gemeinsam aufgebrachte Gelder verwaltet und zusammen mit der Stadt Angebote initiiert. 

Kathrin Herbst

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Leiterin der vdek-Landesvertretung Hamburg

Ob ich dem Gesundheitswesen treu bleibe, weiß ich noch nicht. Aber ich weiß, dass ich mich - vielleicht nach einer kleinen Pause - weiter engagieren werde, davon lebt unsere Gesellschaft schließlich. Kathrin Herbst, Leiterin der vdek-Landesvertretung Hamburg

 

TK: Als Leiterin der vdek-Landesvertretung waren Sie viele Jahre Bevollmächtigte für die Verhandlung und den Abschluss von Versorgungsverträgen für die Ersatzkassen in der Hansestadt und nah an der Gesundheitspolitik. Was zeichnet aus Ihrer Sicht Hamburgs Gesundheitspolitik aus, und welche Wünsche tragen Sie für die künftige Gestaltung des Gesundheitssystems an die Politik heran?

Herbst: Hamburg ist eine attraktive Stadt und so ist die Versorgungslage überdurchschnittlich gut. Die Wege sind kurz, man kennt sich und so entstehen möglicherweise einfacher als anderswo Ideen für neue Projekte. Ich bin mir sicher, dass das ein gewichtiger Grund ist, warum Hamburg mehrfach hintereinander Telematik-Infrastruktur-Modellregion geworden ist. 

Aber auch hier wächst das Geld nicht auf den Bäumen und ich wünsche mir für die Zukunft, dass die Stadt bei allem, was sie gestaltet und noch gestalten möchte, eigenes Geld in die Hand nimmt. Denn die Mittel der Kranken- und Pflegekassen sind zweckgebunden und gesetzkonform für Versorgung einzusetzen. Ich denke dabei insbesondere an Investitionen in Kliniken und Pflegeeinrichtungen, in die Vorhaltung des Rettungsdienstes, aber auch an Kinder- und Jugendhilfe. So arbeiten wir in Hamburg auch gerne für Menschen, die ganz am Rande der Gesellschaft stehen und haben uns um spezielle Versorgungsangebote für Wohnungslose gekümmert. Das funktioniert, wenn es eine faire Kostenteilung gibt. 

TK: Sie verabschieden sich in einen Ruhestand. Was sind Ihre Pläne, und werden Sie dem Gesundheitswesen gänzlich den Rücken kehren?

Herbst: Ich freue mich zunächst auf freie Zeit, Zeit für Familie, für Freunde, für Sport und Kultur. Ob ich dem Gesundheitswesen treu bleibe, weiß ich noch nicht. Aber ich weiß, dass ich mich - vielleicht nach einer kleinen Pause - weiter engagieren werde, davon lebt unsere Gesellschaft schließlich. Es ist nach wie vor meine feste Überzeugung, dass eine Gesellschaft sich nur gut entwickelt, wenn sie sich gut um ihre Kinder kümmert. Deswegen bin ich in jungen Jahren auch Erzieherin geworden und da sehe ich für mich die meisten Anknüpfungspunkte.